Dazu gratuliert Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Bündnisgrüne). Sie bezeichnet das Engagement beider Schulen als wegweisend. „Die Schule zeigt eindrucksvoll, wie aus Freiräumen und Erfindungsgeist wegweisende Projekte entstehen können und wie KI genutzt werden kann, um Demokratiebildung zu stärken“, sagt sie. Ulrich Ziehn, didaktischer Leiter an der KGS Pattensen, freut sich über die Auszeichnung. „Es ist schön, dass unser Projekt gewürdigt wird“, sagt er. Wofür die Schule das Preisgeld verwendet, ist noch unklar.
Das nicht benotete Fach
erscheint notwendig
Die Notwendigkeit des nicht benoteten Faches Cyberethik bestätigen auch die Schülerinnen und Schüler. Die 15-jährige Sarah gehört zum Jahrgang, in dem das Fach erstmals angeboten wurde. Ihre Meinung über Künstliche Intelligenz hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Sie erinnert sich noch daran, dass ihre Großeltern von Beginn an vor den möglichen Gefahren einer KI warnten. „Damals habe ich darüber gelacht, weil ich es übertrieben fand. Heute lache ich nur noch aus Verzweiflung“, sagt sie.
Sarahs Bedenken beziehen sich vor allem darauf, dass die KI möglicherweise nicht ausreichend von Menschen reguliert werden kann. „Experimente haben schon gezeigt, dass eine Künstliche Intelligenz unter bestimmten Umständen bereit wäre, einem Menschen zu schaden“, sagt Sarah. Auch die 13-jährigen Amelie und Lena, die aktuell im achten Jahrgang an dem Fach teilnehmen, stehen Künstlicher Intelligenz eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sie sprechen davon, dass eine Online-Sucht dadurch gefördert werden könne. Lena befürchtet auch, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sich in fast allen Berufen etablieren wird. „Bleibt dann später noch eine Arbeit für mich?“, fragt sie.
Menschlichen Kontakt kann die KI nicht ersetzen
Angst um ihre Arbeitsplätze haben Ziehn und seine Kollegin Ann-Kathrin Kallies, Koordinatorin für den Bereich Digitalisierung an der KGS, nicht. Das sogenannte Beziehungslernen nehme eine immer größere Rolle ein. Dazu gehören der Aufbau sozialer Beziehungen und die Förderung individueller Fähigkeiten. „Die KI macht mit den Schülerinnen und Schülern keine Spielabende oder fährt mit ihnen auf Klassenfahrt“, sagt Kallies. Für Lehrerinnen und Lehrer sei meist auch einfach zu erkennen, wenn Schülerinnen und Schüler KI zum Beispiel für ihre Hausaufgaben verwendet haben. „Den Arbeiten fehlt dann die individuelle Handschrift“, sagt Ziehn.
Auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen könne eine KI nicht übernehmen. „Die Systeme sind darauf ausgerichtet, den Nutzerinnen und Nutzern gegenüber immer befürwortend zu sein. So lernen Kinder und Jugendliche aber nicht, auch andere Meinungen zuzulassen und auszuhalten“, sagt Ziehn. Die 13-jährige Lena ergänzt, dass KI menschliche Kontakte ohnehin nicht ersetzen könne. So besuchen Schülerinnen und Schüler der KGS unter anderem regelmäßig Seniorenheime, um mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch zu kommen. „Dieser Austausch ist für beide Seiten ein Gewinn. Das kann eine KI nicht leisten“, sagt Lena.
Die KGS Pattensen am Platz St. Aubin stellt sich an einem Tag der offenen Tür am Freitag, 27. Februar, vor. Das Programm beginnt um 15 Uhr und endet um 18 Uhr.
Text/Bild: Tobias Lehmann, (HAZ)