Wertvolle Erfahrungen am „Freiday“ (HAZ vom 05.07.23)

Wertvolle Erfahrungen am „Freiday“ (HAZ vom 05.07.23)

Nach erstem Projektjahr: KGS Pattensen will Kreativität und Berufsvorbereitung weiter fördern
 

Pattensen-Mitte. Ein Computerspiel mit Umweltschutzaspekt, Kinderbücher mit Themen der Diversität, ein Bollerwagen für Obdachlose – beim „Freiday“ haben Schülerinnen und Schüler des achten Jahrgangs der KGS Pattensen reichlich kreative Ideen entwickelt. Die Freude über das Erarbeitete war bei den meisten am Tag der Präsentation kurz vor den Sommerferien groß. „Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung“, sagte die 14-jährige Filia.

Doch nicht bei allen lief es mittwochs in den sechs Schulstunden harmonisch ab. „Es war eine große Herausforderung, dass alle in der Gruppe etwas machen. Einige hatten den ,Freiday’ als freien Tag interpretiert“, sagte ein Schüler.

Die Jugendlichen sollten sich seit Schuljahresbeginn in kleinen Gruppen selbstständig ein Projekt erarbeiten, das sich im Rahmen der 17 Globalen Ziele der Vereinten Nationen mit sozialem Engagement oder Umweltschutz befasst. Die Gruppe um Enrico, Matteo, Delbac und Mohammad hatte ein Windrad gebastelt, mit dem klimafreundlich eine Powerbank aufgeladen werden sollte.

„Der Dynamo hatte aber zu wenig Energie. Deshalb hat das nicht funktioniert“, sagte der 13-jährige Enrico leicht enttäuscht. Zu allem Überfluss ging auf dem Transport zur Schule auch noch das Windrad kaputt – sämtliche Flügel waren abgefallen. Mit einem Finger drehte Enrico den Dynamo eines alten Fahrrades und zeigte anhand eines angeschlossenen kleinen Lichtes, dass ihre Arbeit im Grunde erfolgreich war.

Für mehr Selbstbewusstsein

Aus Fehlern lernen war auch bei einer weiteren Gruppe angesagt, die einen Bollerwagen-Prototypen für Obdachlose entwickeln wollte. Ganz fertig geworden ist dieses Modell nicht. „Wir dachten, es ginge einfacher“, gestand der 14-jährige Fin. „Teils hatten wir falsch geplant und mussten die Fehler dann korrigieren.“ Doch im Grunde sei das Projekt dennoch ein Erfolg. „Ich habe Spaß an der Sache gefunden, und es hat mir Selbstvertrauen gegeben“, sagte Fin. Geduld und Durchhaltevermögen waren auch bei Filia, Amy und Neeles gefragt. „Wir hatten die Arbeit schon etwas unterschätzt“, sagte Gruppenleiterin und Initiatorin Filia. Sie hatte die Idee, den Schulabgängerinnen und -abgängern ein sogenanntes Scoubidou-Armband aus elastischem Kunststoff zu schenken. „Wir wollten denen eine Freude machen“, sagte Filia.

In der Gruppe habe es auch mal Reibereien gegeben, doch die Irritationen hätten alle schnell wieder ausgeräumt. Dies sei eines der Ziele des „Freiday“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull: im Team projektartig arbeiten. „Wir bringen den Schülern bei, was sie später in der Arbeitswelt benötigen.“ Und Filia befand: „Man wächst mit solchen Erfahrungen.“

Dass sie sich zum Ende des „Freiday“ ein wenig gelangweilt hätten, gestanden Zoe, Victoria, Josephine und Marina. Die Mädchen stellten eine Bücherkiste für Kindergärten mit Vielfaltsliteratur zusammen, beispielsweise zum Thema zweier gleichgeschlechtlicher Elternteile oder eines Jungen, der sich flippig anzieht. „Zum Ende hatten wir nur noch zwei Kisten, die wir an Kitas übergeben mussten“, sagte die
15-jährige Marina.

Zuvor hatten sie im Internet eifrig recherchiert, um Bücher ausfindig zu machen, in denen nicht ausschließlich das klassische Rollenmodell mit Vater und Mutter aufgezeigt wurde. Mit Unterstützung von Spenden konnten mehrere Boxen mit Büchern gefüllt und an Pattenser Einrichtungen übergeben werden. „Wir möchten das Projekt gerne an Schüler des nächsten achten Jahrgangs weitergeben, damit die das vielleicht fortführen können“, sagte Zoe.

Ihre begonnene Arbeit wollen auch Tizian, Maurice, Moritz, Tayler und Marc in jüngere Hände geben. Sie haben einerseits eine Homepage zum „Freiday“ erstellt, die nach und nach noch mit Inhalten gefüllt werden soll. Zudem haben sie ein kleines, simples Computerspiel entwickelt. „Ein Affe sucht dabei nach Nahrung“, erklärt der 14-jährige Tizian. Dieser Affe laufe dabei durch den Wald. „Doch Nahrung findet er immer schwerer, weil immer mehr Bäume im Wald abgeholzt werden“, sagt der Hobby-Programmierer, „ich finde das blöd.“ Mit dem Programmieren wolle er andere mittels spielerischer Komponente auf diesen Missstand aufmerksam machen.

Das Projekt „Freiday“ soll auch im nächsten Jahr im achten Jahrgang fortgesetzt werden. „Wir freuen uns über Mentoren und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern“, sagt „Freiday“-Koordinatorin Annemarie Wittkämper. Wer sich beteiligen möchte, kontaktiert die Schule per E-Mail an freiday-post@kgs-pattensen.de.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)