Kooperative Eingangsstufe ist Erfolg (HAZ vom 09.03.20)

Kooperative Eingangsstufe ist Erfolg (HAZ vom 09.03.20)

SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann lobt neues Konzept an der Ernst-Reuter-Schule
 

Pattensen. Einigen ehrgeizigen Reformen hat sich die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen in diesem Schuljahr unterzogen: So schloss sich die Kooperative Gesamtschule 2019 der Initiative Schule im Aufbruch an und führte eine sogenannte Kooperative Eingangsstufe ein. Beim Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Silke Lesemann berichtete die Schulleitung über die bisherigen Erfahrungen.

„Das große Ziel aller Schulen muss es sein, dass die Kinder während ihrer Schulzeit nicht die Lust am Lernen verlieren“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull bei dem Besuchstermin am Freitag. Im aktuellen Schulsystem der Bundesländer Deutschlands passiere das aus Gerulls Sicht jedoch viel zu häufig. Die KGS Pattensen hat sich deshalb bereits im vergangenen Jahr der weltweiten Initiative Schulen im Aufbruch angeschlossen. Dabei geht es auch darum, bestehende Lehrtraditionen aufzubrechen und zu verändern.

Besonderes Fach Verantwortung

Besonders kritisch ist aus Sicht von Ulrich Ziehn die Altersphase der Schüler in den Jahrgängen sieben und acht. „Die Schüler sind vor allem mit der Entwicklung ihres Körpers und der eigenen Identitätsfindung beschäftigt“, sagt der didaktische Leiter der KGS über die 13- bis 14-Jährigen. „Der Unterricht klassischer Fächer interessiert sie hier
wenig.“ Die Schule biete den Schülern in dieser Phase deshalb außer dem vorgeschriebenen Unterricht noch andere Möglichkeiten. So gibt es zum Beispiel das Fach Verantwortung, in dem Schüler an Orten außerhalb des Schulunterrichts tätig werden können, etwa auf einem Bauernhof.

Zum Schuljahr 2019/2020 hat die KGS zudem die Kooperative Eingangsstufe eingeführt. Von der fünften bis zur siebten Klasse werden die Schüler des Gymnasial-, Haupt- und Realschulzweigs gemeinsam unterrichtet. Vorteil: Die Schüler müssen nicht die Klasse verlassen, wenn sie den Schulzweig wechseln. „Wir hatten vorher häufiger den Fall, dass ein für den Realschulzweig angemeldeter Schüler aufgrund seiner Leistungen in den gymnasialen Zweig hätte wechseln können“, sagt Ziehn. „Doch der Schüler verzichtete darauf, weil er seine sozialen Kontakte in seiner bisherigen Klasse erhalten wollte.“

Neu eingeführt wurde in der Kooperativen Eingangsstufe die Lernstunde für Experten. Jeweils 90 Minuten pro Woche kommen die vier bis fünf besten Schüler der fünf fünften Klassen zusammen, um über Themen zu reden, die normalerweise in der Altersstufe noch nicht unterrichtet werden. „Doch wenn sie sich dafür interessieren, sollten wir das auch anbieten. Wir haben zum Beispiel schon über künstliche Intelligenz und über CO2 gesprochen“, sagt Ziehn.

Studium nicht auf KGS ausgelegt

Gerull und Ziehn beklagten beide, dass das Studium für Lehrer in Niedersachsen nicht auf den Unterricht einer KGS ausgelegt sei. „Es gibt zum Beispiel viele Lehrer, die für den gymnasialen Zweig ausgebildet werden und dann zu uns kommen“, sagt Gerull. „Das Abitur am Ende entspricht dem aller Schulen in Niedersachsen, doch die Art des Unterrichts ist dann doch noch etwas anders.“

Lesemann mag Gesamtschulen

Lesemann bekannte bei dem Besuch, dass sie ein Anhänger von
Gesamtschulen sei – auch ihre Kinder hätten Gesamtschulen besucht. „Ich finde es gut, wenn Schüler mit unterschiedlichen Stärken gemeinsam unterrichtet werden“, sagte sie. „Zahlreiche Studien zeigen, dass dies die schwächeren Schüler stärkt und die besseren Schüler nicht herunterzieht.“ Lesemann lobte alle drei Kooperativen Gesamtschulen in den Kommunen ihres Wahlkreises Pattensen, Laatzen und Sehnde.

„Von der Ernst-Reuter-Schule habe ich einen sehr guten Eindruck. Hier werden wichtige Schlüsselqualifikationen für das 21. Jahrhundert vermittelt“, sagte die Landtagsabgeordnete und nannte unter anderem die individuelle Stärkung der Schüler bei gleichzeitiger Förderung von Teamarbeit. Sie versprach, sich im Landtag weiterhin für die Stärkung von Kooperativen Gesamtschulen einzusetzen und auch die Ausbildung von Lehrern zu thematisieren.

 

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)